Artikel-Schlagworte: „Wirtschaft“

“Deutschland ist nicht Japan. Japan ist nicht Deutschland.”

25.03.2011 sm

Aus ganz unerwarteter Ecke vernahmen wir heute Zustimmung zu den Äußerungen unseres letzten Gesprächs. Auch der Saumagen-Liebhaber aus der Pfalz, von manchen auch Altkanzler genannt, scheint etwas gegen Tautologien zu haben und machte dies klar mit Sätzen, die er gegenüber seinem Lieblingsorgan mit den vier Buchstaben äußerte: “Die Wirklichkeit ist: Deutschland ist nicht Japan. Japan ist nicht Deutschland.”
In der Tat. Und weiter: “Die Lehre aus Japan darf jetzt nicht die berühmte Rolle rückwärts sein (…) Das Leben ist ohne Risiken nicht zu haben.” Risiken “gehören zum Alltag wie Wind, Wasser und Sonne”. Genau. Tagelang ist uns jetzt verkündet worden, dass Japan ja ein Hochtechnologieland sei. Die Versuche, die Reaktorkerne von Fukushima abzukühlen, muteten gleichwohl ungefähr so adäquat an, als versuchten Feuerwehrmänner bei einem Großfeuer, dieses auszupinkeln. Unser Wissenschaftsredakteur, Dr. Rainer Mumpitz, wird sich dazu in den nächsten Tagen bestimmt noch äußern.
Und wenn gar nichts mehr hilft, die Katastrophen längst nicht mehr beherrschbar sind, dann fällt mit gnadenloser Sicherheit ein Wort, dass dann immer bemüht wird: ein Stresstest muss her. Jetzt also sollen die europäischen Atomkraftwerke einem Stresstest unterzogen werden.
O Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!


Schelmuffsky im Gespräch mit Carlo Pesetas über die Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank.

03.02.2011 sm

Schelmuffsky: Herr Pesetas, waren Sie bei der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank dabei?

Carlo Pesetas: Nein, ich habe nur den Bericht in „Wirtschaft am Mittag“ im Deutschlandfunk gehört.

Schelmuffsky: Und, gibt es Neuigkeiten?

Carlo Pesetas: Ich habe nur so beiläufig zugehört. Im Prinzip alles beim Alten: Die Kosten der Finanzkrise werden vergesellschaftet, die Milliardengewinne eingestrichen. Der Bericht plätscherte so dahin, und da sagt Josef Ackermann plötzlich doch tatsächlich Folgendes: „Ganz klar! Die Botschaft für uns alle ist: execution!“ Das hat mich dann doch erstaunt, dass der Chef der Deutschen Bank plötzlich in den Jargon der Roten Armee Fraktion verfällt. Banker haben in den letzten Jahren Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen ruiniert, das ist eh klar. Aber Exekution? Ich bin ja ganz gegen die Todesstrafe. Und irgendwelche Appelle, die falsch verstanden werden könnten: Das ist natürlich sehr heikel.

Schelmuffsky: Was dann?

Carlo Pesetas: Ackermann peilt für dieses Jahr einen Gewinn von zehn Milliarden an und fügt auch gleich hinzu, dass dieses Gewinnvolumen das „new normal“ für die nächsten Jahre werden soll, also jedes Jahr Gewinne in dieser Größenordnung. Da liegt es doch nahe zu sagen: Prima, da kann der Staat ja doch auch ein bisschen mehr abschöpfen.

Schelmuffsky: In der Tat. Herr Pesetas, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Bericht von der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank in “Wirtschaft am Mittag”, Deutschlandfunk, 3. Februar 2011


Die IFALUG-Rechtschreibkommission hat getagt: Hund vs. Hunt

18.06.2009 sm

Laut Wikipedia gibt es für die Redewendung “auf den Hund kommen” u. a. folgenden Deutungsansatz:

“In der Bergmannssprache wurde der Förderwagen, mit dem das Erz oder die Kohle abtransportiert wird, früher Hunt genannt. Der Hunt ist ein Holzkasten auf Rädern. Wer nicht mehr kräftig genug war, als Hauer zu arbeiten, wurde zum Wagenschieben (Huntstoßen) degradiert, was deutlich geringeren Lohn bedeutete.”

Wenn also in Thomas Bernhards Abgesang auf den Hund der Erzähler nicht “auf den Hund kommen will” (vgl. Schelmuffskys Wilde Welt “Wahn/Sinn”), so erliegt er einem sprachlichen Irrtum. Oder auch nicht, denn in den anderen von Wikipedia referierten Deutungsansätzen der Redewendung ist durchaus von Hunden die Rede.

Die IFALUG-Rechtschreibkommission hat in den vergangenen Wochen einen Ausweg aus dem Dilemma gesucht und präsentiert hier und heute einen brauchbaren und schlüssigen Lösungsansatz. Statt “Hund” oder “Hunt” wird empfohlen, zukünftig “Hundt” zu schreiben, “also auf den Hundt kommen”. Zweifelsfrei richtig ist die empfohlene Schreibweise insbesondere in Zusammenhängen, in denen von ökonomischen Verhältnissen die Rede ist, also z. B. “Die Weltwirtschaft / Deutschland / das Bankenwesen usw. ist auf den Hundt gekommen.”

Bei Unsicherheiten können Sie die IFALUG-Rechtschreibkommission kontaktieren.