Artikel-Schlagworte: „Sprache“

Schelmuffsky im Gespräch mit Dr. Martin über Tautologien

02.03.2011 sm

Schelmuffsky: Herr Dr. Martin, “Geil ist geil”: Diesem Slogan begegnet man dieser Tage häufiger als einem lieb ist.

Dr. Martin: Richtig. Vorher hieß es mal “Geiz ist geil”, eine Kombination aus Avaritia = Geiz (Habgier) und Luxuria = Wollust (Ausschweifung, Genusssucht), also der zweiten und der dritten der sieben Todsünden. Sie erinnern vielleicht noch den Thriller “Sieben”.

Schelmuffsky: Jetzt also eine Tautologie. Bei Tautologien soll man ja vorsichtig sein.

Dr. Martin: Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel, das schlagend die Verlogenheit von Tautologien zeigt: Eine Dissertation ist eine Dissertation.

Schelmuffsky: Heißt: Eine Dissertation ist eine Dissertation ist keine Dissertation.

Dr. Martin: Als heute im Radio gefragt wurde, was der Freiherr zu Guttenberg jetzt wohl machen werde, meinte meine Tochter: “Der hat ja jetzt Zeit, um seine Doktorarbeit zu verbessern.”

Schelmuffsky: Richtig. Aber noch mal zurück: Tautologien sind also immer eine Lüge.

Dr. Martin: Nein. Von Gertrude Stein stammt die oft zitierte Tautologie: “Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose”.

Schelmuffsky: “Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose”. Das ist ein guter Schluss. Ich danke Ihnen für das Gespräch.


Der Nonsinn-Adventskalender

05.12.2010 sm

Das Fensterchen zum 5. Dezember:

Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich“

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

‚Der Werwolf’ – sprach der gute Mann -:
‚des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man’s nennt,
den Wenwolf, – damit hat’s ein End’.’

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, fügte doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!

Der Dorfschulmeister aber mußte
gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
Zwar Wölfe gäb’s in großer Schar,
doch ‚Wer’ gäb’s nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind –
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

Aus: Christian Morgenstern – Alle Galgenlieder, Bruno Cassirer Verlag Berlin 1932, S. 86


Schelmuffsky im Gespräch mit Dr. Martin über Mallorca, vor allem aber über Albert Vigoleis Thelen

26.10.2010 sm

Schelmuffsky: Sie waren im Urlaub, heißt es.

Dr. Martin: Es heißt richtig, wenn es auch nicht ganz so heiß war, aber doch noch angenehm warm.

Schelmuffsky: Wo weilten Sie weiland, wenn ich fragen darf?

Dr. Martin: Auf der Insel des zweiten Gesichts.

Schelmuffsky: Aha, Vigoleis Thelen auf der Spur, nehme ich an.

Dr. Martin: Eher nicht, eher einfach so, aber dabei gehabt habe ich Thelen natürlich, und gelesen habe ich ihn auch wieder. Sowieso.

Schelmuffsky: Erzählen Sie mehr. Wie war Mallorca im Herbst?

Dr. Martin: Ich kannte es vorher nicht, bzw. eben nur aus dem erwähnten Roman von Vigoleis Thelen und aus George Sands „Ein Winter auf Mallorca“. Die Lektüre beider Bücher liegt schon Dezennien zurück. Von Thelen erinnerte ich immerhin noch die eine oder andere Episode, z. B. seine Monate im sogenannten ‘Turm der Uhr’, als er und seine Frau Beatrice aus purer Geldnot gezwungen waren, in der Zelle eines Bordells zu kampieren (und zu hungern), über sich keine Zimmerdecke, aber ein undichtes Dach, unter und über sich Scharen von Ratten, die alles anfraßen, was ihnen zwischen die Zähne kam, um sich herum 29 weitere Zellen, die aber der eigentlichen Bestimmung des Etablissements dienten, zumal zur Zeit der Corrida, wenn die Stierkämpfer in der Nacht vor ihrem womöglich letzten Auftritt zunächst im Flur des Bordells der heiligen Madonna opferten und dann in die Zellen zogen und für jene Geräuschkulisse sorgten, die umso hörbarer war, als es eben keine Decke über den Zellen gab. Das ist nur eine von wirklich zahllosen Geschichten. Unmöglich sich alle zu merken. Allerdings ist das Buch, obwohl Landschafts- oder Ortsbeschreibungen eher selten sind, ein guter Cicerone für die Insel.

Schelmuffsky: Wollen wir jetzt über Mallorca sprechen oder über Thelen?

Dr. Martin: Wenn Sie so direkt fragen, über Thelen, aber dabei sprechen wir dann beiläufig auch über Mallorca. „Die Insel des zweiten Gesichts“ war für mich wie für viel zu wenige andere eine der großen Entdeckungen in der deutschsprachigen Literatur. Sprachlich mindestens auf der Höhe des Puij Major, die Erzählungen ungefähr so verschlungen wie die Fahrt von Soller nach Sa Calobra, allerdings mit noch größeren Abgründen am Weg, auf jeder Seite Wörter eingestreut, die man noch nie gehört oder gelesen hat, dito Aphorismen wie bei den besten Aphoristikern, dazu noch Erörterungen über Philosophie, Literatur, die politische Situation in der Herankunft Hitlers und Francos, vor dem Thelen und seine Frau schließlich 1936 nach fünf bewegten und bewegenden Jahren auf der Insel fliehen mussten. Also ich kenne kein vielseitigeres Buch und zudem kaum eines, bei dessen Lektüre ich ähnlich oft gelacht hätte.

Schelmuffsky: Können Sie vielleicht Beispiele geben?

Dr. Martin: Z. B. Aphorismen:

„Jede Kirche, die Weltanspruch erhebt, muß über Leichen gehen, will sie sich nicht selber ins Grab schaufeln. Das ist eine bittere, aber grausame Wahrheit. Nur wen es trifft, muß weinen. Wir weinten damals auch.“ (S. 303)

Oder über die Probleme einer adäquaten Beschreibung:
„Die Schönheit des menschlichen Antlitzes ist unbegrenzt, mögen die Mittel noch so beschränkt sein, sie im Wort oder im Bilde darzustellen. Das Einmalige ist immer auf den Abklatsch angewiesen, wollen wir es vielen zugänglich machen.“ (S. 78)

Wobei man hier sagen muss: Die Art und Weise, wie Thelen beschreibt, ist selbst wieder ziemlich einmalig.

Oder:
„Sobald ein Mensch diese Uniform anlegt, hört er auf zu sein, was er ist.“ (S. 422)

Oder:
„Homo homini homo.“ (S. 406)
Das ist vielleicht der beste Aphorimus.

Schelmuffsky: Danke. Das reicht für ein bisschen Nachdenken. Ich schlage vor, wir sprechen morgen weiter.

Dr. Martin: Wie Sie wünschen. In der Zwischenzeit können Sie sich fortbilden auf http://www.vigoleis.de/


Neue Lesefrüchte: Die Buchempfehlung der Woche

27.08.2010 sm

Selten lese ich ein Buch, bei dem ich soviel rausschreiben will, wie bei meiner momentanen Lektüre: Markus Werner – Zündels Abgang. Zwei Beispiele:

Aus Zündels Notizen:
“Tina Bar, 11.7. Das neue Wörterbuch. Eine Handreichung für mich und andere Nachzügler. Erster Teil.- Einzuprägen: Eigennutz heißt jetzt Selbstentfaltung. Rücksichtnahme heißt Selbstverlust. Roheit heißt Freimut. Treulosigkeit heißt Spontaneität. Charakterlosigkeit heißt Aufgeschlossenheit für das Neue. Hohlheit heißt Empfänglichkeit. Das Unvermögen, allein zu sein, heißt kommunikative Kompetenz.” (Seite 58 f.)

Oder Zündels Lektüre einer schweizerischen Zeitung, deren “Sätze und Wendungen (ihn) zwar nicht langweilten, aber ektelten.
Kopfballstark, zinsgeschädigt, dauerbequemtauglich. Tiefe Besorgnis. Langbeinige Eva. Humanitäre Geste. Kadaversammeldienst. Und Talsohlen und Zusatzkredite und Kaltluftfronten.
O Sumpf.
Lockvogelpolitik à la Kreml und faires Angebot des Weißen Hauses und dauerbequemtaugliche Schutzräume zur Überbrückung von Jammertalsohlen. Und die Wörter stinken, und die Sätze stinken, als ob sie ausgeschlüpft waren aus den hämorrhoidenbekränzten Mastdärmen pestkranker Vollidioten. Der Aktienmarkt ist gut gelaunt, kompromißlos das Dreilagentoilettenpapier, ausgewogen das Marschflugkörperprogramm. Formulierungen stülpen sich röhrend über stöhnende Fakten. Tatsachen spreizen die Schenkel und gewähren korrupten Sprachstücken Einlaß. Das Substantiv hat ein steifes Adjektiv und rammt die Wirklichkeit von hinten. Endlos, schamlos, trostlos paaren sich Sätze und Sachverhalte, und das Produkt dieser Unzucht heißt Zeitung.” (Seite 72 f.)

Besser und sarkastischer hätte das Karl Kraus auch nicht schreiben können.

Image of Zündels Abgang


Schelmuffsky und Dr. Sigurd Martin im Gespräch über dies und das

19.04.2010 sm

Schelmuffsky: Herr Dr. Martin, Sie hatten im Vorfeld gesagt: Diesmal kein Interview, sondern ausnahmsweise mal ein richtiges Gespräch. Wie meinten Sie das?

Dr. Martin: Über Günther Anders haben wir ja schon das eine oder andere Mal gesprochen. Er hat sinngemäß einmal gesagt, dass das Interview der Tod des Gesprächs sei, und daran glaube ich auch. Von Günther Anders gibt es auch eine Kindergeschichte, die ich immer wieder gerne zitiere, und die vielleicht illustriert, worauf ich heute hinaus will:

„Da es dem König aber wenig gefiel, daß sein Sohn, die kontrollierten Straßen verlassend, sich querfeldein herumtrieb, um sich selbst ein Urteil über die Welt zu bilden, schenkte er ihm Wagen und Pferd. ‘Nun brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen’, waren seine Worte. ‘Nun darfst du es nicht mehr,’ war deren Sinn. ‘Nun kannst du es nicht mehr’, deren Wirkung.“

Schelmuffsky: Ehrlich gesagt: Ich verstehe nur Bahnhof.

Dr. Martin: Also, heutzutage werden die Kinder ja ständig mit dem Auto rumkutschiert. Das lasse ich jetzt mal beiseite. Ich würde mich gerne heute mal ein wenig querfeldein herumtreiben, wenn’s recht ist.

Schelmuffsky: Gut ich mache mal einen Versuch. Heute vor fünf Jahren stieg in Rom weißer Rauch auf und es hieß – mein Latein ist zugegebenermaßen etwas eingerostet: Habemus Popanz.

Dr. Martin: Das ist jetzt nicht ihr Ernst! Also wir können über alles sprechen, über den Papst – es muss übrigens „papam“ heißen – spreche ich nicht, zumindest einstweilen nicht.

Schelmuffsky: Dann vielleicht lieber über den Mixa?

Dr. Martin: Schon eher. Der sagte ja dieser Tage: „Die eine oder andere Watsch’n kann ich nicht ausschließen. (…) Das war damals vollkommen normal.“ Also, das kann ich für meine Kindheit unbedingt bestätigen. Das liegt zwar noch länger zurück. Aber sanfte Heranführung an die christliche Nächstenliebe, das hat unser damaliger katholischer Pfarrer auch beherrscht. Später sprach man gerne von ihm als einem Original, und stimmt: Es gibt die eine oder andere witzige Anekdote von ihm zu berichten. Besonders originell war er allerdings auch darin, einem beizeiten beizubringen, die andere Wange auch noch hinzuhalten, also alles irgendwie eine geniale Mischung aus Altem und Neuem Testament.

Schelmuffsky: Können Sie das konkretisieren?

Dr. Martin: Ich erinnere, dass er mich in der – war es die erste Klasse der Volksschule? (so hieß das damals noch) ansprach, ob ich ihm nicht bis zur nächsten Stunde einen Rohrstock besorgen könne. Ich habe mich dann auch sehr, aber doch vergeblich bemüht, einen Stock zu besorgen. Irgendwie hat er auch ohne mich einen bekommen. Eine Spezialität waren die Kopfnüsse oder auch, dass er sich ab und an von hinten anschlich, die Backe (oder auch ein Ohr) zwischen Daumen und Zeigefinger nahm und diese (s) dann so lange verdrehte, bis man die Englein gut singen hören konnte. Respekt. Das hat er damals auch ohne Ipod oder sonstiges Gerät super hingekriegt.

Schelmuffsky: Das ist ja nun zum Glück lange Geschichte.

Dr. Martin: Allerdings. So was macht heutzutage bestimmt niemand mehr. Mir fiel das ein, als ich jetzt den Mixa sprechen hörte. Diese Katholiken haben ja doch a. eine tolle Technik, alles zu verdrängen und b. das Verdrängte, wenn es dann doch rauskommt, schönzureden. Also da könnte selbst der Guido Westerwelle manchmal noch was lernen. Obwohl: Wenn ich’s recht bedenke. Der braucht da eigentlich nichts mehr dazuzulernen.

Schemuffsky: Querfeldein herumtreiben hatten Sie gesagt. Worüber wollen wir sprechen?

Dr. Martin: Es ist Frühling. Also, ich würde sagen. Sprechen wir mal über Vögel. Heute Mittag ging ich wieder in Frankfurt am Main spazieren. Da gibt es eine Gans, die hat ihre Eier Mitte Januar ausgebrütet. Das fand ich eine ziemliche abstruse Laune der Natur. Aber jetzt, wo die anderen Gänseküken kommen, sind die Januar-Küken schon fast erwachsen und werden bestimmt demnächst flügge. Die Gänsemutter kann jetzt den Frühling genießen. Das fand ich in den letzten Wochen spannend zu beobachten.
< Oder heute auf dem Heimweg: Da hörte ich zwei Vögel, gegensätzlicher geht es nicht. Die erste Nachtigall in diesem Jahr und den ersten Fasanenhahn. Während der Fasan nicht viel mehr zu Stande bringt als ein ziemlich schepperndes „Krööök“, ist der Gesang der Nachtigall, die ungleich unscheinbarer ist, für mich ungefähr das, was Bach unter den Komponisten, nämlich ziemlich großartig, was heißt ziemlich, nein: großartig. Schelmuffsky: Und die Nachtigall singt auch tagsüber?

Dr. Martin: Ja. Aber komischerweise ist die Wirkung nachts ungleich frappierender. Da singt so ein Vogel in hundert Meter Entfernung, und man denkt, er sitzt direkt neben dem Fenster.
Apropos Nacht: Der Himmel ist ja dieser Tage sehr speziell. Tagsüber fragt man sich schon: Wo sind denn all die Kondensstreifen geblieben. Aber der Nachthimmel: Ich bin dieser Nächte richtig ins Schwärmen geraten.

Schelmuffsky: Wiewohl einige sagen: Erst haben uns die Isländer bei der Bankenkrise reingeritten, und jetzt lassen sie auch noch einen Vulkan ausbrechen. Ich bin sicher, demnächst werden Stimmen laut, die Schadensersatz fordern.
Dr. Martin: Von mir aus kann der Eyjafjallajökull – toller Name, oder? – ruhig wie beim letzten Ausbruch noch ein paar Monate Asche spucken. Wenn ich an den Nachthimmel am Samstag denke: Das war phantastisch.

Schelmuffsky: Warum?

Dr. Martin: Zum einen: keine Blinklichter überall, sondern nur Naturhimmelskörper. Und dann eine sehr spezielle Mondsichel. Das kommt manchmal auch bei einer Mondfinsternis vor, dass der Mond selbst schwarz ist (der Mann im Mond ist verschwunden), aber eben doch nicht ganz, sondern fast wie eine nach innen strahlende Aura aussieht. So war das am Samstag. Da musste ich wieder über meine Arbeiten über Sprache und Bedeutungsauren nachdenken. Der späte Wittgenstein meint ja so ungefähr: Das Wort selbst habe gar keine Substanz im Sinne einer festen Bedeutung, sondern das Wort nehme die jeweilige Bedeutung in der jeweiligen Verwendung an, also im Sprachgebrauch.

Schelmuffsky: Wieder Bahnhof.

Dr. Martin: Das Wort ist nur eine leere Hülle, die ihre Füllung im Gebrauch bekommt. Und das ist dann die schillernde Aura. Daran dachte ich am Samstag.
Aber sprechen wir noch ein wenig von Vögeln. Gestern sind wir mit den Fahrrädern zu den Störchen hier in der Nähe gefahren. Ich finde das sehr schön, dass es hier Störche gibt. Und wie der Bischoff Mixa haben mich auch die Störche an was erinnert.

Schelmuffsky: Woran?

Dr. Martin: Ich muss mich erst noch ein wenig im Gelände rumtreiben. Neulich las ich Siri Hustvedt „Die zitternde Frau“, ein sehr lesenswertes Buch. Darin kommt sie auf ein Buch des Künstlers Jo Brainard mit dem Titel „I Remember“ zu sprechen, das aus Episoden bestehe, die alle mit dem Eintrag „Ich erinnere mich“ beginnen. Da dachte ich an eine Aussage der Übersetzerin Swetlana Geier (im Film „Die Frau mit den fünf Elefanten“) über die Problematik zu übersetzen. Sie illustriert das mit dem Fehlen von Akkusativobjekten im Russischen. Im Russischen könne man nicht sagen: Ich habe eine Tasse. Sondern: Die Tasse ist bei mir. Ich stehe unter dem Einfluss der Tasse. So ungefähr. „I remember“ mit „Ich erinnere mich“ zu übersetzen ist natürlich heikel, denn eigentlich müsste man ja übersetzen: Ich erinnere das und das… Das geht ja im Deutschen auch. Aber besser ist natürlich noch: Ich werde erinnert.

Schelmuffsky: Worauf wollen Sie hinaus?

Dr. Martin: Auch wenn Siri Hustvedt recht hat, dass alleine das Hinschreiben von „Ich erinnere“ (das „mich“ würde ich weglassen) schon Erinnerungen evoziert, so ist es doch häufiger so, dass die Umwelt uns erinnert (oder Prousts Madelaine). Also die Störche erinnerten mich an meine Kindheit, als es in meiner Heimatstadt bis in die Mitte der 60er Jahre Störche gab, die dann aber plötzlich wegblieben. Damals gab es sofort Gerüchte, irgendwelche jugendlichen Rowdys hätten mit Pfeil und Bogen auf die Störche geschossen. Als ich die Störche gestern sah, evozierten sie viel Vergessenes.

Schelmuffsky: Was?

Dr. Martin: Statt einer Antwort schweife ich wieder ab. Vorletzten Freitag kam im Ersten Programm ein sehenswerter, wenn auch furchtbarer Film. Ich meine die Dokumentation über den Genozid an den Armeniern. In meiner Kindheit konnte man durchaus noch oft die Redewendung „bis zur Vergasung“ hören. Das war nach Freud die Art, wie sich das Verdrängte Bahn brach. Als ich den Film sah, dachte ich, wie sehr die Redewendung „in die Wüste schicken“ wohl in der Türkei von heute verbreitet sein muss.
Ich rekapituliere kurz: Das Volk der Armenier wurde von Türken solange umhergetrieben und zum Schluss in die Wüste, bis es nahezu vollständig ausgerottet war. An einer Stelle im Film werden armenische Frauen – ihre Männer sind zu diesem Zeitpunkt längst alle tot und auch alle alten Leute und sehr viele Kinder – zitiert, dass sie zu den Helfern des Roten Kreuzes, die ihnen Brot geben wollten, gesagt haben sollen: Was sollen wir mit Brot (das die Kinder nicht essen konnten)? Gebt uns Gift, damit wir uns und unsere Kinder erlösen können. Das fand ich zutiefst erschütternd, weil es für mich der Inbegriff der Hoffnungslosigkeit ist. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist ein Satz, der nur allzu gerne mit einer gewissen Häme gebraucht wird. Hier starb die Hoffnung vorher.

Schelmuffsky: Ich assoziiere hier das Hörspiel „Das Schiff Esperanza“ von Fred von Hoerschelmann.

Dr. Martin: Und ich „Festianus Märtyrer“ von Günter Eich. Darüber aber sollten wir morgen sprechen. Und dann können wir auch gerne auf den Papst zurückkommen.

Schelmuffsky: Gut. Und gute Nacht.


Interview zum Thema „Die neue Ehrlichkeit“

14.02.2010 sm

Schelmuffsky sprach mit Dr. Sigurd Martin (Leiter von IFALUG, Institut für angewandte Lebensfreude und Gebrauchszynismus)

Schelmuffsky: Herr Dr. Martin, wir haben hier neulich eine Reihe zum Thema „Die neue Ehrlichkeit” begonnen. Wie sehen Sie das?

Dr. Martin: Die sieht man doch allenthalben. Nehmen wir z. B. Guido Westerwelle, der die „geistig-moralische Wende“ ankündigte, eine Millionenspende einer Hotelkette hin- oder mitnahm und dann das Gesetz zur Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen forcierte. Da kann man vielleicht in Abwandlung von Adornos berühmtem Aphorismus sagen: Es gibt kein ehrliches Leben im verlogenen. Wie dreist die FDP dann aber auch noch behauptete, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun: Das spricht schon sehr für die neue Ehrlichkeit.
Schelmuffsky: Unser Plakat als Beispiel für eine neue Ehrlichkeit in der Werbung hat Sie also nicht überzeugt?

Dr. Martin: Doch, doch. Tendenziell haben die Menschen wahrscheinlich die Nase voll von dieser geleckten Welt, die uns da jahrelang als die schöne neue präsentiert wurde, während im Hintergrund einige wenige die Dinge so drehten, dass Milliarden von der Mittelschicht in ihre Taschen wanderten. Ich will jetzt nicht auf die Finanzwelt zu sprechen kommen, aber vielleicht beiläufig hier einen Buchtipp dazu loswerden: Wolfgang Eichborn / Dirk Sollte – Das Kartenhaus Weltfinanzsystem. Mit diesem Buch habe ich zum ersten Mal so richtig verstanden, was mit dem Satz gemeint ist: Der Laie raubt die Bank aus, der Profi gründet eine Bank.

Schelmuffsky: Kommen wir mal zurück zum Thema Ehrlichkeit. Haben Sie vielleicht ein Beispiel.

Dr. Martin: Neulich fuhr ich mit dem ICE nach München. Und da kam dann auch ein – wie heißt das heute? Das Wort Schaffner wurde ja in den letzten Jahren abgeschafft …

Schelmuffsky: Zugbegleiter.

Dr. Martin: Zugbegleiter genau, das ist natürlich alles schon Neusprech. Also der kam da sehr fröhlich durch den Wagen gelaufen, geradezu übermütig, und fragte nach den Fahrscheinen. Darauf mehrere Fahrgäste: Warum sind Sie denn so fröhlich? Worauf er: Ich bin ein serviceorientierter Mitarbeiter der Deutschen Bahn und mein Unternehmen erwartet von mir Freundlichkeit gegenüber den Kunden.
Das fand ich irgendwie sympathisch subversiv. Wie ich überhaupt gerne mal, so lange diese nicht auch durch Automaten ersetzt werden, eine Typologie der Schaffner / Zugbegleiter schreiben würde. Die werden wahrscheinlich alle von ihrem Unternehmen mit einem Sprachbaustein-Handbuch gepeinigt, das ihnen vorschreibt, was sie in welcher Situation sagen sollen, und doch spricht aus vielen noch irgendwie eine Authentizität, die man sonst nicht mehr zu hören bekommt.

Schelmuffsky: Schon gar nicht auf den Bahnsteigen, auf denen man ja fast nur noch diese Automatenstimmen hört.

Dr. Martin: Stimmt! Das ist natürlich grässlich, zumal, wenn ich überlege, welche Stimmen in den Lautsprecheransagen früher manchmal auf den Bahnsteigen zu hören waren. Da wurden z. B. im Frankfurter Hauptbahnhof selbst die sogenannten „Störungen im Betriebsablauf“ (Neusprech für „Wir sind mal wieder unfähig.“) zuweilen mit einem Schlafzimmertimbre hingehaucht, dass einem alles egal war. Ein vielstimmiger Chor aus dialektalen Färbungen und Charakteren, bei dem man noch wusste, dass die Stimmen nicht aus der Konserve kamen.
Ich lese gerade ein Buch von Martin Seel mit dem Titel „Theorien“. Ich bin da ganz unvoreingenommen drangegangen, vielleicht sogar eher positiv gestimmt, weil ich ein Faible für aphoristisches Schreiben habe. Aber dann las ich darin Sätze wie diese hier, die mir doch sehr gegen den Strich gehen:
„…Moral ist der Schutz der Teilnahme am menschlichen Leben, ganz egal, wie die, die unter diesem Schutz stehen, zu dieser Teilnahme stehen, ganz egal auch, aus welchem Stoff diese Teilnehmer gemacht sind. Sobald wir Roboter wie unseresgleichen behandeln, weil sie sich um ihre Existenz – sowohl untereinander als auch uns gegenüber – zu sorgen beginnen, gehören auch sie zum Kreis der Unsrigen hinzu. Von der DNA allein hängt hier nichts ab.“

Schelmuffsky: Was stört Sie daran?

Dr. Martin: Abgesehen davon, dass man den Begriff „Moral“ eigentlich nicht mehr verwenden kann – mir war er schon immer suspekt – (aber vor allem heutzutage: siehe oben Westerwelle), werden hier völlig affirmativ Grenzen verwischt, auf deren Aufrechterhaltung ich unbedingt beharren würde, weil wir sonst die letzten Bastionen der Subjektivität schleifen und dadurch eigentlich jedes Unterscheidungskriterium für Wahrheit und Lüge wegfällt. Die Roboter beginnen sich untereinander und uns gegenüber zu sorgen und gehören deswegen zum Kreis der Unsrigen: Ich würde bei diesen Sätzen von einem Theoriesurrogat sprechen, wie es ja auch um Surrogate geht, Mensch gemachte Automaten, die überall an die Stelle von Menschen rücken. Das Ersetzen der Menschen durch Automaten (z. B. jüngst in der Altenpflege) aus zumeist rein wirtschaftlichen Überlegungen kann man vielleicht moralisch bewerten, auch wenn das natürlich nicht viel bringt, die Maschinen aber selbst der Sphäre der Moral zuzurechnen und ihnen die Fähigkeit zur Sorge zu unterstellen, halte ich für gewagt. Im Grunde muss man nur ein paar Male die Verzweiflung durchlebt haben, die sich sehr schnell einstellt, wenn man in den endlosen Schleifen eines sogenannten sprachgesteuerten Helpdesks alles bekommt (z. B. einen Wutanfall), nur nicht Hilfe. Das mit Sorge in Verbindung zu bringen, ist einfach abwegig. Wenn Sie mal ein gutes Buch zum Thema lesen wollen: Günther Anders – Die Antiquiertheit des Menschen. Das ist auch nach über 50 Jahren aktuell und vor allem sprachlich und begrifflich präzise.

Schelmuffsky: Noch mal zurück zum Thema Ehrlichkeit: Habe ich Sie richtig verstanden, Sie sehen da ziemlich schwarz.

Dr. Martin: Zur Zeit eher blau-gelb. Aber Spaß beiseite: Ich sehe schon, dass in weiten Kreisen der Gesellschaft das Gefühl vorherrscht, seit Jahrzehnten von den gewählten Repräsentanten und den Regierungen betrogen worden zu sein, im Zweifel auch vom Anlageberater der Bank. Insofern gibt es sicherlich heute ein größeres Bedürfnis nach Ehrlichkeit. Um diese zu erreichen, müssten allerdings berufene Kreise (Journalisten, Wissenschaftler, Intellektuelle allgemein) wieder eine Aufgabe ernst nehmen, die in Zeiten der Spaßkultur verpönt war. Ich meine die Aufgabe, Fragen und in Frage zu stellen und die, kritisch zu bewerten. Kritik, ein ähnlich ausgestorbenes Wort wie „Schaffner“, muss endlich wiederbelebt werden.

Schelmuffsky: Herr Dr. Martin, ich danke Ihnen für das Gespräch.


Die IFALUG-Sprachkritik: Über Namen

25.11.2009 sm

Der Schöpfungsbericht in der Bibel ist gekennzeichnet durch den Dreischritt “Gott sprach, es werde..”, “Gott sah, dass es gut war” und “Gott nannte”.

In der Benennung sieht Walter Benjamin den eigentlichen Schöpfungsakt. Den Menschen überträgt Gott die Fähigkeit, “die Dinge und Tiere so zu benennen”, wie sie heißen sollen. Die Vergabe von (Eigen-)Namen ist für Benjamin der einzige Sprechakt, in welchem der Mensch an die schöperische Sprache Gottes Anschluss hält und das Wesen der benannten Dinge und Geschöpfe erfasst.

Diese Qualität der Namensvergabe reflektiert (womöglich unbewusst) die Wirtschaftswelt bei der Prägung von Marken und Namen für Produkte. Sie geht dabei mal mehr, mal weniger erfolgreich vor. Den Preis für die dämlichsten Produktnamen durfte man in den letzten Jahren getrost der Firma Opel zugestehen, und womöglich rühren etliche Probleme der Marke nicht von einer falschen Modellpolitik, wie immer gesagt wird, sondern von der Benennung der neuen Modelle mit Namen, die diesen ein ziemlich uncooles Image verpassten: Astra, Vectra, Agila, Zafira, Antara, Meriva, Insignia. Allein die Penetranz des “A” am Ende jedes Modellnamens verleidete einem selbst einigermaßen gelungene Autos. Beim “IA” des Insignia dachte man unwillkürlich an das Grautier, nicht aber an dessen vermeintliche Dummheit, sondern an des Esels Schmerzensschrei, der sich einem ob so viel gewolltem Bedeutungsgeschwängere entringt.

Jetzt  schickt sich Mitsubishi an, Opel die Krone des dümmsten Autonamens zu entreißen. Im nächsten Jahr kommt ein Elektroauto auf den Markt, und es heißt – tatatataaaaa:

i-Miev, oder auf gut Deutsch: Ich stinke.

Während Porsche  bestimmt darüber nachdenkt, wie es in seine irgendwann anstehenden Elektroversionen ein ordentliches und dann aber ausschließlich virtuelles Röhren einbauen kann, verpasst Mitsubishi seinem jüngsten Spross mit der Benennuung  den olfaktorischen  Nimbus eines Trabi. Wir sagen Bravo!


Die IFALUG-Sprachkommission sucht Ersatz für das Wort “Wahlkampf”

20.08.2009 sm

Die Bundestagswahl 2009 wird als die Wahl in die Geschichte eingehen, bei der das Wort Wahlkampf endgültig außer Gebrauch kam. Fühlten wir uns früher noch irgendwie dadurch ernst genommen, dass die Parteien darum konkurrierten, wer die größten Versprechen unters Volk bringt (um diese nach der Wahl natürlich umgehend zu brechen), so hat man in diesem Spätsommer den Eindruck, als hielten die Parteien es nicht mehr für notwendig, auch nur irgendwelche Ankündigungen zu  machen  (außer “Wir haben die Kraft”, “Wir haben viel (Oberweite) zu bieten”,  Vera Lengsfeld, und ähnlich qualifizierten Aussagen). Die vielleicht wichtigste Umfrage wurde soeben auf Spiegel Online veröffentlicht: Knapp 40 % der Befragten votierten für folgende Aussage: “Ich würde gerne mal Siemens oder den BDI direkt wählen statt immer den Umweg über die Parteien zu gehen.”
Die IFALUG-Sprachkommission sucht einen zeitgemäßen Ersatz für das Wort Wahlkampf. Vorschläge werden entgegengenommen.


Abwrackprämie für Milchkühe

22.07.2009 sm

In der Tagesschau vom 22. Juli, 20 Uhr, fasste Markus Preiß, Brüssel, die an sich schon zynischen Wünsche des Bauernverbandes,  eine Schlachtprämie für Kühe zu zahlen, wie folgt zusammen:

„(…) Endstation Schlachthof: dieses Schicksal schlägt der Bauernverband vor für europaweit bis zu 1,3 Millionen Milchkühe. Sie sollen bluten, damit weniger Milch auf dem Markt ist und die Preise wieder steigen. Rund 800,- erhält ein Bauer derzeit für eine Kuh. Die EU soll noch 500,- € drauflegen, eine Art Abwrackprämie. (…)“

Das soll wohl  sprachlich als besonders gewitzt daherkommen, vorgetragen im Tonfall des perfekten Nachrichtensprechers.

IFALUG vergibt dafür die Auszeichnung “Zyniker des Monats”. Herzlichen Glückwunsch, Herr Preiß.


Ach Du meine Goethe 2: Vier Fäuste für ein Halleluja

07.07.2007 sm

Zu den gelungensten Verfilmungen von Goethes Hauptwerk „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (Faust-Fragment, Urfaust, Faust I, Faust II) zählt die mit Bud Spencer und Terence Hill . Das Drehbuch geht zugegebenermaßen sehr freizügig mit der Vorlage um. Das aber ist ja seit der Bearbeitung von Stücken durch das moderne Regietheater durchaus üblich. Der Film ist auch frei von jenem Reimgeklapper Goethes, das mich bei der Lektüre immer an das Lied von der Mühle am rauschenden Bach denken lässt. Wo aber ist der Zusammenhang? Wollte der Regisseur jene Sequenz aus Faust 1 auf den Punkt bringen, in der Faust darüber nachdenkt, wie der Anfang der Heiligen Schrift zu übersetzen sei:

„Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!“
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß die Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft! (Bud Spencers; Schelm.)
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe,
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!“

Zu ergänzen wäre vielleicht noch: „Im Anfang war die Prügelei.“ Hier stutze ich auch. Was ist im Anfang? Die hessische Kultusministerin Karin Wolff hatte jüngst die geniale Idee, im Biologieunterricht die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel aufzunehmen. Wahrscheinlich ist sie dafür, weil der Schöpfungsbericht im Rahmen von „Unterrichtsgarantie plus“ (die Hessische Bezeichnung für die kostengünstige Substitution von qualifiziertem Lehrpersonal) viel einfacher zu unterrichten ist, wenn mal der Biologieunterricht ausfällt.

Doch zurück zu Faust. Nur weil dieser so heißt, meint er, dass die Arbeit mit den Fäusten dem Wort vorausgeht, im Anfang ist. Ist Gott ein Händler oder Macher? Die Art, wie er in einer Szene der Schöpfungsgeschichte aus einer Rippe eine Frau gestaltet, könnte diesen Verdacht nahelegen (leider kann sich Faust Margarete nicht aus den Rippen schneiden, sonst bräuchte er Mephistopheles nicht). Aber es heißt eben doch an allen Schöpfungstagen: Gott sprach: Es werde … Und es ward. Faust kann auf seine ziemlich doofen Übersetzungvorschläge nur kommen, weil der Pudel um seine Beine schleicht.

Ach ja: In einem ziemlich witzigen Video wurde der Hawaianer Eric T. Hansen gefragt, wie er zu Goethe steht und was er vom Faust hält. So richtig viel wohl auch nicht: http://www.fischerverlage.de/sixcms/detail.php/942669

Und wer sich intensiver damit beschäftigen will, warum im Schöpfungsbericht das Wort im Anfang ist, dem sei Walter Benjamins Aufsatz “Über die Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen” empfohlen (im Band 2 der Werkausgabe)