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Nonsinn ist wieder da: Eine erste Zusammenkunft von IFALUG – Institut für angewandte Lebensfreude und Gebrauchszynismus (Schelmuffsky, Dr. Rainer Mumpitz, Carlo Pesetas, Dr. Sigurd Martin)

25.09.2013 sm

Schelmuffsky: Wenn ich das richtig sehe, versammeln wir uns heute zum ersten Mal seit beinahe zwei Jahren. Zunächst einmal herzlich willkommen. Es ist toll, dass das gesamte Institut sich nach so langer Zeit wieder gefunden hat.
Dr. Rainer Mumpitz: Jau, ey! Und ich hoffe natürlich, dass wir gleich zur Sache kommen, also z. B. …
Schelmuffsky: Nicht so schnell. Oder doch: Ein dreifach Hoch auf die Fünfprozenthürde, die segensreiche. Das hatte ja zum Schluss doch etwas leicht Widerwärtiges, wie dieser Politgreis, wie hieß er doch gleich?, beim FDP-Parteitag nur noch die reine Inhaltsleere rausrülpste und dann auch noch anfing, um Zweitstimmen zu betteln.
Dr. Rainer Mumpitz: Es gab ja noch so viele andere segensreiche Ereignisse. Wir waren Papst zum Beispiel. Wer hätte damals gedacht (Sie erinnern sich an unser legendäres Interview mit Gott!!, übrigens später von der „Zeit“ sehr schlecht abgekupfert), dass auch der Papst zurücktreten könnte. Bravo.
Schelmuffsky: Womit wollen wir uns eigentlich in nächster Zeit beschäftigen, wenn die FDP, der Guido, der Papst und noch so viele andere weg vom Fenster sind.
Dr. Rainer Mumpitz: Uns wird schon was einfallen. Es gibt ja auch ständig was zu beobachten. Haben Sie z. B. schon die neue C&A-Werbung zur Kenntnis genommen? Wo die Männer den Frauen am Bauch hängen und nur noch als Ballast hinterhergeschleift werden, während die Frauen telefonieren, sich gegenseitig kurz zunicken, die Preisschilder immer auf den Plakaten im Hintergrund. Und wie dämlich die Männer darob lächeln, dass sie endlich abserviert, wenngleich aber noch nicht ganz abgeschüttelt sind.
Schelmuffsky: Genau. Warum schweigen Sie eigentlich die ganze Zeit, Herr Dr. Martin? Langweilen wir Sie?
Dr. Martin: Nein überhaupt nicht. Ich freue mich ungemein, um nicht zu sagen: ganz besonders, dass wir wieder zusammen sind.
Schelmuffsky: Und? Gibt’s was Neues?
Dr. Martin: Ich gebe mal einen Aphorismus Marke Eigenbau zum Besten, der mich in den letzten zwei Jahren u. a. beschäftigt hat. Tatataaaaa und Tusch: „Wie sehr einem Nichts fehlt, merkt man erst, wenn man was hat.“
Schelmuffsky: Das klingt zunächst mal irgendwie oder auch interessant. Darauf kommen wir bestimmt noch öfter zurück.
Dr. Martin: Das will ich aber doch sehr hoffen. Ich bin, aber davon später, bis ins hinterste Tibet gereist, aber es hat sich gelohnt. Also: Ein so reines Nichts gibt’s hier in Europa gar nicht, ja, wahrscheinlich nirgends auf der Welt als a.a.O. Ich bin jetzt der Exklusivimporteur. Demnächst hier im Shop.
Dr. Rainer Mumpitz: Vielleicht darf ich mal ein wenig Nichts analysieren. Das könnte der Stoff sein, aus dem die Träume sind.
Schelmuffsky: Das ist doch für heute ein Schlusswort. Und jetzt den Sekt entkorkt und noch einmal ein dreifach Hoch auf das Ende der FDP.
Dr. Martin: Oder auch: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Haben Sie’s gesehen? Na sehen Sie.


Neue Lesefrüchte

31.05.2011 sm

Es gibt die großartigen Erzähler(-innen), bei denen aber kein Satz in den Vordergrund tritt (meine Lieblingserzählerin Alice Munro gehört zu dieser Kategorie), und es gibt die Erzähler(-innnen), bei denen im Text Gedanken und aphoristische Sätze eingestreut sind, die man sich rausschreiben möchte. Zu dieser zweiten Gruppe zählt Lars Gustafsson, den ich schon immer gerne gelesen und bewundert habe.

Eine Lesefrucht (in der auch eine gute Prise Walter Benjamin aufblitzt und ein hier bereits zitierter Text von John Berger anklingt) aus seinem sehr intelligenten wie zarten Roman über Erinnerung, erste erotische Verzauberung, philosophische Erkundungen und religiöse Zweifel, “Frau Sorgedahls schöne weiße Arme”:

“Die Wohnungen abwesender Menschen, ging es mir durch den Kopf, können zu einer Art Negativabdrücken ihres Lebens werden. Ungefähr wie jene harten, innen mit Samt ausgeschlagenen Futterale, in denen man Flöten und Klarinetten verwahrt, oder gar Waldhörner.
Eine abwesende schöne Frau hinterlässt keinen Abdruck in der leeren Luft. Aber in ihrer Wohnung. Die meisten dieser Abdrücke sind sehr subtil. Aber es gibt sie.
Und sie schaffen die Voraussetzung für eine Art Triumph der Phantasie. Genauso, bin ich versucht hinzuzufügen, wie Gottes solide Abwesenheit in der Welt den Anlass für ein ganzes Bündel von Triumphen der Phantasie gibt.”

Lars Gustafsson – Frau Sorgedahls schöne weiße Arme, München (Hanser) 2008, S. 145 f.

Image of Frau Sorgedahls schöne weiße Arme


Der Rücktritt Gottes und die Folgen

17.09.2010 sm

Wie wir aus gut informierten Kreisen erfahren haben, ist der jüngst verkündete Rücktritt Gottes (wir berichteten; seitdem ist seltsamerweise niemand mehr zurückgetreten) nicht ohne Folgen geblieben. Aus Berlin verlautet, dass der Bundestag und die anderen Verfassungsorgane händeringend nach einer neuen Abschlussfloskel für den Amtseid suchen.
Bislang kursieren folgende Ideen:

- So wahr ich mir helfe.
- So wahr mir Josef Ackermann / RWE / Volkswagen / die Pharmaindustrie oder eine andere gute Macht helfe (hier soll der jeweilig den Amtseid ablegende Kanzler / Minister dem eigenen Vertrauen Folge leisten dürfen).
- So wahr mir meine Frau / mein Mann helfe.
- So wahr mir mein Dackel Waldi helfe.
- So wahr mir BILD helfe.

Die Suche ist noch nicht abgeschlossen. Helfen Sie mit: Wie soll der neue Amtseid für die Kanzlerin, Minister und Staatsbeamte lauten? Vorschläge werden gerne entgegen genommen.
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Noch nicht entschieden ist, ob nicht bei dieser Gelegenheit auch gleich andere Passagen des Amtseids auf den Prüfstand gestellt werden sollten, beispielsweise die Sätze “…dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden (…) und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde”. Auch hier könnte vielleicht jedem anheim gestellt werden, einen Namen, ein Unternehmen, ein Gewerbe oder eine Berufsgruppe (Mehrfachnennungen möglich) nach gusto einzusetzen.
Der entsprechende Passus könnte dann beispielsweise lauten:

“…dass ich meine Kraft dem Wohle der deutschen Energiekonzerne widmen, den Nutzen der Hotelbranche mehren, Schaden von der Bankenwirtschaft wenden (…) und Gerechtigkeit gegen diesen und jenen (Namen gelöscht, der Redaktion aber bekannt) üben werde”

Wir halten Sie über den weiteren Fortgang der Diskussion auf dem Laufenden.


Schelmuffsky spricht mit Gott

05.08.2010 sm

Schelmuffsky: Guten Tag. Es ist mir peinlich, aber ich habe weder bei Knigge noch sonst wo einen Hinweis gefunden, wie man Sie angemessen anspricht.

Gott: Nur keine Umstände. Sagen Sie einfach Gott und „Sie“.

Schelmuffsky: Gut Gott. Ich freue mich sehr, dass Sie ausgerechnet mich für ein letztes Gespräch ausgesucht haben.

Gott: Ich hatte natürlich ein sehr lukratives Angebot von der „Vier-Buchstaben-Zeitung“, aber was glauben die eigentlich: Dass ich auf Geld scharf wäre? So sehr Mensch bin ich dann doch nie geworden. Außerdem werde ich einem Blatt, das dauernd gegen meine Gebote verstößt, allen voran gegen das das achte, einem Blatt, das zudem 2. Mose 20.4 schon im Titel negiert, also so einem Organ werde ich fernbleiben. Sollen andere Prominente es beliefern, ich nicht. Außerdem wollte ich ja möglichst wenig Aufhebens um meinen Rückzug aus der Öffentlichkeit machen. Und da nonsinn.de ja so gut wie keine Leser hat, schien mir dies der geeignete Ort für einen letzten Auftritt.

Schelmuffsky: Sie sind zurückgetreten. Da kommt natürlich sofort der Verdacht auf, dass Sie amtsmüde sind.

Gott: Ach, überdrüssig bin ich schon ein paar Tausend Jahre. Ich wollte mir ja eigentlich eine Freude bereiten mit der Schöpfung, so ähnlich wie ein Kind, das spielt. Was dabei rausgekommen ist, wissen Sie.

Schelmuffsky: Bereuen Sie also Ihre Schöpfung?

Gott: Nur der Papst ist unfehlbar und braucht ergo nichts zu bereuen. Bei mir ist das anders. Dass ich den sechsten Tag der Schöpfung bereue, steht ja schon in der Bibel (1. Mose 6,6).

Schelmuffsky: Sonst noch was?

Gott: Viel. Die Sintflut bzw. dass ich da meinte, jemand überleben lassen zu müssen. Am meisten vielleicht diese komische Wette mit dem Teufel. Der Teufel ist ja verglichen mit vielen Menschen ein ziemlich armseliges Würstchen. Dass ich ausgerechnet wegen einer Wette mit ihm einen der wenigen Aufrechten versucht und ruiniert habe – ich meine Noah –, werde ich mir nie verzeihen. Dann das eine oder andere der im Neuen Testament beschriebenen Wunder, das waren ja nur – heute würde man sagen: Marketingmaßnahmen. Schließlich, das haben Sie oder Herr Martin gesprächsweise auch schon ab und an als fragwürdig bezeichnet Matthäus 8, 22: “Lasset die Toten die Toten begraben.” Wenn die Menschheit sich in etwas bemerkenswert von den meisten Tieren unterscheidet, dann in den früher gültigen Begräbniskulten (heute ist ja auch das eine Frage des Geldes). Dass ich das einfach negiert habe, ist natürlich heikel.

Schelmuffsky: Von Marie von Ebner-Eschenbach stammt der Aphorismus: „Es würde sehr wenig Böses auf Erden getan werden, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte.“ Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber könnte hier nicht genauso gut „im Namen Gottes“ stehen?

Gott: Doch, unbedingt. Ich habe das ja schon in der Rücktrittserklärung gesagt. Das größte Ärgernis für mich ist, wer sich heutzutage, aber auch schon früher, auf mich beruft, vermeintlich in meinem Namen handelt. Damit es diese Rechtfertigung ein für alle mal nicht mehr gibt, das war für mich ein wichtiger Beweggrund, der Erde den Rücken zu kehren.

Schelmuffsky: Was wollen Sie jetzt tun?

Gott: Ehrlich gesagt: Ich weiß es noch nicht. Vielleicht erst einmal ein paar Tausend Jahre ruhen und meditieren. Die Menschheit ist auch für Gott anstrengend.

Schelmuffsky: Gibt es auch etwas, das Sie vermissen werden?

Gott: Ich habe ja alle schönen Dinge in mir aufgenommen, die Musik von Bach z. B., insofern brauche ich nichts missen.

Schelmuffsky: Was wird aus dem Erlösungsversprechen und einigen anderen Ankündigungen, die die Zukunft betreffen?

Gott: Keine Ahnung. Momentan hat mich eine große Gleichgültigkeit erfasst. Die Menschheit soll jetzt erst einmal sich und die Schöpfung ruinieren, und dann sehen wir weiter.

Schelmuffsky: Das klingt pessimistisch.

Gott: Haben Sie auch nur die geringste Hoffnung, dass die Menschheit irgendwann nicht eigennützig, sondern vernünftig handeln könnte?

Schelmuffsky: Zugegeben, nein.

Gott: Also! Dieser verbreitete Zweckoptimismus hat die Misere ja zum größten Teil mitverursacht.

Schelmuffsky: Was raten Sie denen, die ehrlich an Sie geglaubt und in Ihrem Sinne gehandelt haben?

Gott: So sehr viele sind das ja nicht. Aber wenn Sie wirklich in meinem Sinne handeln, dann tun sie es ja ohne Hintergedanken und auch ohne Hoffnung, und dann ändert sich für sie nicht viel.

Schelmuffsky: Werden Sie eine Autobiographie schreiben?

Gott: Es gab da ja schon einmal eine vermeintliche Autobiographie, geschrieben von einem gewissen Franco Ferrucci. Aber zurück zu Ihrer Frage: Definitiv nein, das habe ich nicht vor.

Schelmuffsky: Sind Sie dann „mal weg“ oder für immer?

Gott: Das weiß ich noch nicht.

Schelmuffsky: Gott, ich danke Ihnen für das Gespräch.


Anmerkung: Es wurde hier nur ein winziger Auszug eines sehr umfangreichen Gesprächs veröffentlicht. Nonsinn.de behält sich vor, demnächst weitere Ausschnitte zu publizieren.


++ Eilmeldung: Gott erklärt seinen Rücktritt ++

26.07.2010 sm

Völlig unerwartet erklärte Gott um 21 Uhr 24 MEZ seinen Rücktritt von allen Ämtern: Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist, Allah u. a. Die Rücktrittserklärung wurde von Engeln an die CEO aller Weltreligionen und an Schelmuffsky überbracht. Alle Benachrichtigten halten die Botschaft auf Grund der Übermittlungsart für authentisch.

In der Rücktrittserklärung heißt es:

„Hiermit erkläre ich meinen Rücktritt von allen Ämtern, mit sofortiger Wirkung.

Nach reichlicher, mehrhundertjähriger Überlegung habe ich den Entschluss gefasst, mich fürderhin nicht mehr mit meiner Schöpfung auf der Erde zu beschäftigen. Längst hat mich eine große Langeweile überkommen. In der festen Überzeugung, dass die Menschheit in absehbarer Zeit die Erde ruinieren und alles Leben unmöglich machen wird, will ich mich an einen möglichst entfernten Ort des Universums zurückziehen, um nicht das Trauerspiel der letzten Tage mit anschauen zu müssen. Insbesondere bin ich es leid zu hören, wer alles vermeintlich an mich glaubt und doch nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Ich werde in den nächsten Jahrtausenden darüber nachdenken, ob ich noch einmal einen neuen Schöpfungsversuch unternehme.
Gezeichnet
Gott“

Der Engel, der Schelmuffsky die Botschaft überbrachte, setzte ihn davon in Kenntnis, dass Gott ausgerechnet mit ihm in den nächsten Tagen ein Exklusivinterview führen werde, um danach endgültig zu verschwinden. Wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Hier die ersten Reaktionen:

Angela M.:
„Ich bedauere diesen Schritt sehr. Mit Gott verliere ich nicht nur meinen dienstältesten Amtskollegen, sondern auch einen guten Freund und Berater. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.
In den nächsten Tagen werde ich mit dem Parteivorstand zusammentreten, um über die Konsequenzen für die Union zu beraten.“

Papst B.:
„Es war absehbar, dass Gott sich das gottlose, unzüchtige Treiben der Menschheit, selbst in unseren Reihen, nicht ewig würde ansehen. Als Stellvertreter Gottes auf Erden übernehme ich zunächst kommissarisch die Amtsgeschäfte. In den nächsten Wochen sind Treffen mit den Vorstandsvorsitzenden aller Weltreligionen geplant, um über die Nachfolge zu diskutieren.“