Neue Lesefrüchte

Nur noch wenige Tage und es jährt sich die Geburt eines der größten Schriftsteller zum zweihundersten Mal: Georg Büchner.
Am Ende von “Leonce und Lena” finden sich diese Zeilen, die die zukünftige Regierung in den Koalitionsvertrag aufnehmen sollte:
LEONCE. (…) wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monde nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht. Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, daß es keinen Winter mehr gibt und wir im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestillieren, und das ganze Jahr zwischen Rosen und Veilchen, zwischen Orangen und Lorbeer stecken.
VALERIO. Und ich werde Staatsminister, und es wird ein Dekret erlassen, daß wer sich Schwielen in die Hände schafft, unter Kuratel gestellt wird; daß, wer sich krank arbeitet, kriminalistisch strafbar ist; daß jeder, der sich rühmt, sein Brot im Schweiße seines Angesichts zu essen, für verrückt erklärt wird; und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Makkaroni, Melonen und Feigen, um musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine commode Religion!

aus: Georg Büchner – Werke und Briefe, o. O. 1956, S. 141 f.


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