The Medium is the Massage: Ein Gespräch von Schelmuffsky mit Dr. Rainer Mumpitz über Medien

Schelmuffsky: Herr Dr. Mumpitz, „The Medium is the Massage“ von Marshall McLuhan ist eine der bahnbrechenden und meistzitierten Arbeiten in der Medienwissenschaft. Sie haben sich damit beschäftigt.

Dr. Rainer Mumpitz: Genau. Bzw. genauer im Zusammenhang mit dem Medium Fernsehen.

Schelmuffsky: Was haben Sie herausgefunden?

Dr. Mumpitz: Das Fernsehen hat sich ja enorm verändert, sowohl technisch, als auch was das Programm angeht. Wie McLuhan sagt, war das Medium Fernsehen früher eindeutig in seiner Botschaft. In der Zeit des Röhrenfernsehens sagte man: „Ich gucke / schaue in die Röhre“, und allen war klar, was gemeint ist, nämlich lt. Wikipedia: „Ich gehe leer aus.“ bzw. „Ich werde benachteiligt.“ Oder eben: The medium is the message.

Schelmuffsky: Und dann kamen das Privatfernsehen und der Flachbildschirm.

Dr. Mumpitz: Exakt. Die Leere wurde sozusagen flach. Die Technik passte sich der Programmtiefe an, und die ist ja heute von einer Plattheit, dass selbst die neuesten Flachbildschirme irgendwie noch zu tief sind.

Schelmuffsky: Und wie ging es weiter?

Dr. Mumpitz: Das ist doch bekannt. Irgendwann sollte die flache Leere zumindest scharf sein, also erfand man HDTV. Und jüngst will man sozusagen die Quadratur des Kreises: Jetzt soll die flache Leere plötzlich dreidimensional erscheinen nach dem Motto: Die Hohlköpfe, die davor sitzen, sind ja schließlich auch dreidimensional.

Schelmuffsky: Ich las da neulich einen lustigen Beitrag auf Spiegel Spam über die „dritte Dimension“.

Dr. Mumpitz: Den habe ich auch gesehen. Der hat sehr treffend darauf hingewiesen, dass die meisten Menschen schlicht nicht mehr wissen, dass es eine dreidimensionale Welt neben der Flachbildschirm-Welt gibt. Deswegen sieht man auch so viele Menschen, wie sie Flachbildschirme und Displays streicheln. Ihnen gefällt die Zweidimensionalität.

Schelmuffsky: Die Zweidimensionalität ist ja an sich nichts Neues.

Dr. Mumpitz: Stimmt. Ich habe hier im April ja schon einmal meine Erfindung einer Brille erwähnt, mit der man alles zweidimensional sieht. Das eindimensionale Sehen von Westerwelle nachzustellen, ist mir allerdings bis heute nicht gelungen. Aber apropos Zweidimensionalität: Kennen Sie das Buch „Flächenland. Ein mehrdimensionaler Romans, verfaßt von einem alten Quadrat (Edwin A. Abbott)“?

Schelmuffsky: Aber natürlich. Das ist für einen Roman aus dem 19. Jahrhundert wirklich ein außergewöhnlich weitsichtiger Text. Ich glaube, wir sind auf dem besten Wege dorthin. Nur dass im Roman von Abbott der Erzähler der Zweidimensionalität in Richtung mehrdimensionaler Räume entflieht, während heutzutage ja alles auf den Punkt, nämlich den Standpunkt, den man einnimmt, hinausläuft.


Schlagworte: , , , , , ,

Kommentieren